Hui,…

Zwei Jahre ist es her, dass wir unsere Leila willkommen geheißen haben. (Hier könnt ihr davon lesen )  Es ist unglaublich viel passiert seit dem. Jetzt gibt es einen kleinen Bruder für sie. Wir wohnen mittlerweile zusammen und haben einiges zusammen gemeistert. Wir konnten nicht auf eine langjährige solide Beziehung zurückblicken, wir haben alles in den letzten 3 Jahren geschafft (oder geschaffen), was uns gemeinsam tragen kann und haben stets noch viel vor uns. Durch die beiden Kinder hatten wir keine „Zeit zu zweit“, keine „Kennenlernphase“ oder Ähnliches, was man vielleicht brauchen könnte, wenn man sich neu begegnet. Genau, neu begegnen: Das machen wir hier jeden Tag! In den anstrengendsten und persönlichsten Momenten.

Hier kann keiner davon laufen. Wir haben uns füreinander entschieden. Es tut manchmal verdammt weh, sich seine seelischen Wunden anzugucken. Es ist genauso wunderbar heilsam, wenn man das mit jemanden tun kann, dem man von Grund auf vertrauen kann, der sogar alle unmöglichen Möglichkeiten der zusätzlich hormondurchfluteten Frau mit einem Lächeln erträgt und sogar einige böse Wort mit Engelsgeduld vorbeiziehen lässt. Das erst einmal zu uns: den erwachsenen UNS… mit kleinen inneren Kindern, die zunehmend mehr Beachtung finden. Doch dazu gerne mal den ein oder anderen Beitrag auf meinem Blog.

Danke, mein Schatz! Danke für deine Liebe. Zu dir, zu mir und vor allem zu unseren gemeinsamen Kindern! Du bist ein wundervoller Freund und Vater!

Die beiden Kids haben mich definitiv weicher gemacht. Es tut so gut, dass ich meine Gefühle besser wahr nehme und meine Bedürfnisse erkenne. Sie lassen mich aufleben.

Während ich zu Leilas Geburt viel Hintergrundwissen geliefert habe, werde ich das schon Geschriebene jetzt hier nicht wiederholen. Vielleicht nur ergänzen, was noch neu dazu kam.

 

Die Schwangerschaft

Ihr seid sicher neugierig… Also. Zur Schwangerschaft. Diese war ganz anders als die erste. So wie jedes Kind anders ist, eben auch die Schwangerschaft. Diesmal war mir schlecht. Die ersten zehn Wochen vielleicht. Ich habe es mir nicht so genau gemerkt. Also mir war nicht so schlecht wie manch anderen, aber eben latent immer bisschen übel. Drei Mal habe ich mich übergeben. Ich hab Gemüse gehasst. Habe ich mich quasi drei Monate lang (vor Beginn der Schwangerschaft) so gesund wie noch nie ernährt, also viel roh vegan, und erlebte nun den totalen Kontrast. Fragt mich nicht wieso, mein Körper wusste es eben. Sogar Fleisch habe ich selten wieder gegessen. Also instinktiv gegessen, keine Verbote und naja, kein Gemüse, also fast keins. Ich schreibe übrigens wie ich denke oder spreche: Kein Anspruch auf korrekte Zeichensetzung etc. Gebe mir Mühe, dass ihr mich versteht. Kommt alles aus meinem Herzen, fühlt sich super an.

Meine Neurodermitis war noch leicht vorhanden und… Natürlich hatte ich riesig Angst, dass es wieder schlimm wird. Doch irgendwie war ich auf einmal zuversichtlich, dass ich sie los werde oder wenigstens in den Griff bekomme. J. Ich war übrigens wieder Anfang September schwanger und das Kindchen sollte am gleichen Tag wie Leila kommen. Also der errechnete Entbindungstermin war der gleiche wie bei Leila, sie kam 12 Tage danach, Lee 7 Tage später. Es sollten Maikäfer werden und es wurden beide Junikäfer.

Also bis November habe ich wenig Gemüse gegessen, dann fing ich wieder an täglich Algen, Gräser und Sprossen in Form eines grünen Drinks zu mir zu nehmen. Geschmack war nicht so toll, aber ich wusste, wir brauchen das. Ich möchte gesund sein und ein gesundes Baby, klar. Drei Monate später war die Neurodermitis weg. Hinfort. Ich hatte noch nie so schöne Haut. Und ich habe mich natürlich dementsprechend gefühlt.

Im Januar/Februar hatte ich böse Hüftschmerzen. Irgendetwas war aus dem Lot. Ich dachte erst, es sei wieder durch das hormonbedingte Lockern der Schambeinfuge (Symphyse). Nach unserem Jamaika-Urlaub im Februar hatte ich dann einen Termin bei meinem Osteopathen. Bis dahin konnte ich nicht richtig sitzen, nur unter Schmerzen liegen und gehen war genauso unangenehm. Ich hatte teilweise ganz schön schlechte Laune. Insgesamt fünf Wochen war ich am Jammern. Dann kam Rettung. Mein Osteopath ging alles durch (also mit den Händen) und fragte dann, ob ich mal gestürzt war. Ich verneinte dies. Er sagte dann irgendwann das Wort „Steiß“. Da machte es klick. Ich war tatsächlich einen Tag im Januar mit Leila auf dem Schoß im Hängesessel abgestürzt. Der Strick war gerissen und ich landete mit voller Wucht auf dem Boden. Leila war nur erschrocken und ich hatte ab dem Zeitpunkt Schmerzen. Kann man ja mal vergessen. Es fiel mir wieder ein und der Fall war aufgeklärt. Es vergingen nach der osteopathischen Behandlung (ich schwöre seit eh und je und mehreren Autounfällen und deren Folgen darauf!!!) knapp zwei Tage und ich war total schmerzfrei. Ein völlig neues Lebensgefühl.

Und der Rest der Schwangerschaft war mega dufte und ich war körperlich total unbeschwert. Wohnen im Dachgeschoss, das Herumschleppen eines Kleinkindes (nicht schwer heben sollen und bliblablub interessiert mich nicht, wenn ich fit bin, bin ich fit), Schlafen: waren alles Dinge, die mir einfach von der Hand gingen und mich nicht mehr als normal anstrengten.

Ich habe mich von Anfang an von Andrea betreuen lassen. Sie ist Hebamme und hat in Leilas Schwangerschaft geburtsvorbereitende Akupunktur mit mir gemacht. Diesmal wollte ich sie als betreuende Hebamme für die Schwangerschaft, Geburt und das Wochenbett. Ich war ausschließlich bei ihr. Habe keinen einzigen Ultraschall gemacht. Ist auch nicht notwendig. Auch für sie nicht. Ist das Kind gesund? Das sieht man sowieso erst 100prozentig, wenn es geboren wurde. Ein Kind aufgrund einer Behinderung nicht zu empfangen kam auch nicht in Frage. (Ich bin der festen Überzeugung, dass wir im Leben empfangen was wir zum Wachsen brauchen.) Ich habe lediglich regelmäßig auf den Streifen gepullert (Ph-Wert zeigt an, ob vielleicht Eiweiß im Urin ist. Dieser könnte ein Zeichen für eine Gestose, also eine Schwangerschaftsvergiftung sein.) und ein oder zwei Mal Blut nehmen lassen (Eisenwert und solche Dinge). Das Abtasten des Bauches, Herztöne mit dem Holzrohr hören, Wiegen, Puls messen und feinfühlige Gespräche gehörten zu unseren Treffen (alle paar Wochen). Es waren insgesamt viel weniger Treffen als in meiner ersten Schwangerschaft.

Als ich dann „über den Termin ging“ musste ich doch einmal zur Gyn. Sie darf quasi aus versicherungstechnischen Gründen absegnen, dass ich fit für eine Hausgeburt bin. Da ich keinen Ultraschall wollte, hat sie eben nur so eine Art Aufklärungsgespräch gemacht. So nach dem Motto: Weiß über die Risiken des Nicht-Ultraschallens Bescheid. Außerdem die Vitalwerte gemessen wie es sonst Andrea macht. Ich war echt aufgeregt, doch meine Ärztin ist pro Hausgeburt. Da gibt es wohl ganz andere Ärzte in Leipzig. Die suchen solange bis sie der Frau sagen, dass sie im Krankenhaus ihr Kind bekommen muss. Unglaublich.

 

Wann kommst du denn nun, Baby?

Bevor ich wieder schwanger war, dachte ich mir: Jungs-Mama? Mädchen sind doch soooo toll. Wenn, dann noch ein Mädchen, oder? Als ich dann bereits schwanger war und es noch nicht wusste, dachte ich auf einmal: So ein kleiner Junge wäre irgendwie klasse. Was Gefühle so verraten: Den hatte ich schon im Bauch. J. Als ich dann von der Schwangerschaft wusste, wusste ich auch gleich, dass er (oder sie? J) ein total ausgeglichenes Wesen hat. Es kam diesmal bereits im 2. Monat der Impuls mit dem Namen. Es ist ein Junge… Wir hatten zum Ende der Schwangerschaft hin natürlich trotzdem ein Back-Up für einen Mädchennamen. Und das Hin und Her, ob Junge oder doch noch ein Mädchen, dauerte wirklich bis zum Schluss. Interessant wie sehr ich mich selbst wieder verwirrte, obwohl ich doch gleich so sicher war.

Der Termin kam also immer näher und außer Wehen ab der 30. Woche und einem tief im Becken sitzenden Köpfchen ab der 32. Woche deutete zum Termin noch nichts auf eine baldige Geburt hin. Ob es jetzt ab der 30. Woche war oder doch schon viel eher… Ich weiß es wirklich nicht mehr. Die Hormone erfüllen also ihre Aufgabe. Wusstet ihr, dass man in Schwangerschaft und Stillzeit wirklich vergesslich wird. Man sondiert was wirklich wichtig ist. Außerdem ist es ein Trick der Natur, dass wir z.B. auch die Schmerzen wieder vergessen, damit wir gerne wieder schwanger werden.

Hier mal ein paar Erklärungen zu den völlig normalen Übungs-und Senkwehen weit vor der Geburt: Senk- und Übungswehen

Und ein Beitrag zum Baby Brain (zu deutsch Schwangeren- und Stilldemenz, klingt leider wie eine Krankheit.): Baby Brain

Alles entspannt. Baby wollte mit dem Kopf zuerst kommen. Obwohl ja auch eine Geburt mit Beckenendlage (Beine zuerst) eine ganz normale Geburtsposition ist oder sagen wir mal „war“. Es wird irgendwie zu etwas dramatisiert, was es nicht ist. Manche Krankenhäuser ordnen da sogar einen Kaiserschnitt an! Dabei weiß doch jedes Baby, wie es besser raus kommt. Ich verlinke hier mal eine wunderschöne BEL (Beckenendlagen-Geburt), so als kleine Inspiration: BEL Geburt nach Kaiserschnitt

Wenn ich selbst nochmal von Leilas Geburt lese, dann hab ich das Wasser in den Augen stehen… Bei dem Teil der eigentlichen Geburt. So schön…

Und alles, was ich da zuvor an angelesenem Wissen widergebe, finde ich wirklich nützlich und bin auch froh, dass ich mir das alles angeeignet habe und damit vielen einen neuen Blickwinkel auf das Thema natürliche Geburt geben kann. Wie ich von den Fakten spreche, finde ich teilweise etwas hart. Ich würde es aus heutiger Sicht, nicht mehr genau so formulieren. Es ist spannend, zu sehen, wie man sich entwickelt.

 

Eine Ergänzung

Ich möchte etwas Grundsätzliches zum Frausein und Gebären ergänzen: Ich glaube, dass jede Frau natürlich gebären kann. Was ich auch glaube: Wir leben größtenteils so unnatürlich wie noch nie und deshalb kommt es zu den ganzen Komplikationen, sowohl in Schwangerschaft als auch zur Geburt. Was meine ich damit? Künstliche, industrielle Nahrung, vergiftete Luft, verunreinigtes Wasser, unausgewogene Arbeits-Freizeit-Verhältnisse, Strahlung und Isolation statt Gemeinschaft lassen uns Menschen weit von der Natürlichkeit entfernen.

(Halt, bevor ich jetzt auf jeden so eben genannten Punkt eingehe: Ich bleibe bei Lees Geburt. Alles andere findet garantiert Platz auf meinem Blog. Ich freue mich, wenn ihr Wünsche äußert. Sehr sogar.)

Das unnatürliche Leben sorgt für ungesunde Menschen, nicht auf den ersten Blick, auf den zweiten… Schon allein das Wort Zivilisationskrankheiten… Eine junge Frau im „besten gebärfähigen Alter“ hat vielleicht nicht die besten Voraussetzungen? Wissen wirs? Außerdem ist es unsere psychische Konstitution: Glauben wir an uns? Trauen wir uns zu, ein Kind zu gebären? Es ist tatsächlich heutzutage keine Seltenheit, dass Schmerzmittel unter der Geburt eine Selbstverständlichkeit sind! Ja, es tut weh, doch weiß ich um die Auswirkungen aufs Baby. Hier möchte ich aufklären! In Leilas Geburtsbericht findet ihr etwas dazu.

 

Jetzt freue ich mich, endlich mal zum krönenden Abschluss der Schwangerschaft zu kommen!

 

Die Geburt

Ein Samstag im Juni

Es war ein Samstag im Juni, sechs Tage nach dem errechneten Entbindungstermin. Mein Mann hat nun auch diese Geburt eingeleitet: Es gab am Morgen das Wehenmittel Prostaglandin aus dem männlichen Sperma sprich Sex. Wie zwei Jahre zuvor: Ich hatte dann den ganzen Tag Wehen. So wie bisher noch nicht. Ich fühlte mich bereit. Wir waren mit Leila auf dem Spielplatz vor dem Haus. Ich konnte es richtig fühlen. Die Wehen wurden immer regelmäßiger. Es war auch ein bisschen unangenehm. Die anderen Mütter auf dem Spielplatz betrachteten mich neugierig. Ich sagte zu Florian: „Könnte soweit sein: Dann hättest du die Geburt wieder eingeleitet.“

Ich war an diesem Tag zweimal in der Badewanne. Immer zusammen mit Leila. Sie durfte auf meinem Bauch spielen: Mit den Entchen und den Schiffchen…

Es war so gegen 17:00 Uhr, da saß ich auf Toilette. Florian kam herein und ich war mal wieder wegen irgendetwas ziemlich genervt. Fragt mich bitte nicht wegen was, ich weiß es oft selbst nicht. Auf jeden Fall habe ich ihn wegen irgendetwas angeschrien und zwar ordentlich laut. Es gab ein ziemlich unangenehmes Gefühl in meinem Rücken. Es war wie ein Rucken. Dazu später noch einen Kommentar.

 

Eis essen

Ich hatte beschlossen, mit Leila Eis essen zu gehen. Ich zog mich an: Ein bodenlanges, grünes Kleid mit Blumen drauf. Ich wollte mit Leila zu Toni’s Bioeisladen in der Könneritzstraße in Schleußig. Das ist circa zwölf Autominuten von uns entfernt. Toni’s machte glaub ich um 18:00 Uhr zu oder war’s 19:00 Uhr? Ich weiß nicht mehr genau wann. Ich weiß auch nicht ob es 17:00 Uhr war als ich auf Toilette saß oder später. Kurz bevor ich mich mit Leila auf den Weg machen wollte, fing es heftig an zu regnen. Heftig meint wirklich heftig. Es schüttete. Ich trug Leila auf der Hüfte und hatte einen Schirm in der Hand. Ich setzte sie ins Auto, schloss die Tür, ging auf die andere Seite und setzte mich neben sie auf die Rückbank, um sie anzuschnallen. Da es so heftig regnete, entschloss ich mich, auf den Fahrersitz zu klettern. Natürlich war das etwas umständlich mit großem Bauch. Leila sagte: „ Mama Aua“. Ich sagte ihr, ich habe kein Aua, alles sei gut. Wir fuhren los, Scheibenwischer auf höchster Stufe, Sturzbäche auf der Straße, ziemlich langsam und vorsichtig. Wir waren vielleicht gerade 3 Minuten unterwegs, da stellte ich fest, dass ich mein Handy nicht mit hatte. O. k. Umdrehen? Es wird schon nichts passieren. Ein klitzekleines bisschen war mir schon mulmig zumute.

Wir kamen bei Toni’s an und dem Wetter entsprechend, hatten sie schon alle Stühle und Bänke rein geräumt. Am Wochenende sind in dieser Filiale immer zwei Mitarbeiterinnen. Die beiden kannten mich schon, waren sehr erfreut, mich zu sehen, fragten auch gleich, wann es denn soweit sei. Ich sagte, dass es quasi jeden Moment losgehen könnte. Ich bestellte Leila ein Mango-Eis, definitiv ihre Lieblingssorte. Wir unterhielten uns über das Thema Blasensprung und ob denn jede Geburt mit einem losginge. Ich verneinte dies und erzählte, dass auch häufig erst während der Geburt die Fruchtblase platzt und sogar manche Kinder mit intakter Fruchtblase zur Welt kommen. Das passiert wohl bei einer unter 80.000 Geburten. (Link)

 

Blasensprung

Ich hatte das dringende Bedürfnis, zur Toilette zu gehen. Sie haben nur eine Mitarbeitertoilette, diese durfte ich in letzter Zeit schon ein paar Mal benutzen. Schwangere und kleine Kinder seien die Ausnahme. Ich schlängelte mich hinter der Eistheke zur schmalen Toilettentür, ging in die Kabine, zog mein Kleid hoch und bekam einen Riesenschreck: Meine Beine waren voller Blut. Ich pullerte, tupfte das Blut ab soweit mir das möglich war, wusch mir die Hände und machte mich schleunigst auf den Weg nach draußen. Sichtlich aufgewühlt sagte ich zu den Mädels: „ Es bleibt tatsächlich spannend mit mir, ich hatte wahrscheinlich schon meinen Blasensprung!“ Sie machten große Augen. Ich sagte: „Leila wir müssen jetzt nach Hause!“ Sie fragten mich, ob sie etwas für mich tun könnten. Ich sagte: „Nein, nein, wir machen eh eine Hausgeburt, also muss ich da jetzt hin!… Ach, ich muss ja noch bezahlen! Wie viel bekommt ihr?“ – „Das geht aufs Haus!“ Ich schnappte mir die Mausi, bedankte mich, nahm noch die guten Wünsche an und verzichtete auf das Aufspannen des Regenschirmes auf dem kurzen Weg zum Auto (wir standen auf dem Gehweg unmittelbar vor der Tür).

Hurtig machte ich Leila den Gurt dran, drückte ihr ihr Eis in die Hand, legte meine rote Jacke auf den Fahrersitz, setzte mich, atmete tief ein und aus, startete den Wagen, Licht an, Scheibenwischer an, rückwärts vom Bordstein runter, schnurstracks nach Hause. Was alles in meinem Kopf vorging: Ich habe kein Telefon dabei. Ich blute. Ich hatte meinen Blasensprung schon, darf also gar nicht mehr Auto fahren, mache es aber trotzdem. Also egal was man soll oder besser nicht soll: Ich habe das fast immer alles auf dem Schirm. Kann mein tatsächliches Handeln nicht rechtfertigen. Für mich ist es o. k. Ich kann mich auf mich verlassen. Was Fehler nicht ausschließt. Rasen bringt jetzt gar nichts. Im Gegensatz zu meinem sonst sehr sportlichen Fahrstil, fuhr ich recht entspannt. Redete mir gut zu und erklärte Leila, dass das Baby bald da ist.

 

Was wäre wenn?

Auf halbem Weg an einer roten Ampel, dachte ich das erste Mal an den extrem seltenen Fall, einer möglichen Plazenta-Ablösung. Das hieße sofortiger Not-Kaiserschnitt, möglicher Tod für Kind und Mutter. Ganz ehrlich: Ich glaube, das war der schrecklichste Moment seit dem Beginn meiner ersten Schwangerschaft. Sollte ich direkt in ein Krankenhaus fahren? Was will mir das Leben damit sagen? Irgendeine Kraft lies mich nach Hause fahren. Eine enorme Stärke machte sich breit, eine große Zuversicht, unendliche Liebe und Freude für unser Baby.

Zu Hause angekommen parkte ich mit Warnblinker auf der falschen Straßenseite, stieg aus, schloss zu, klingelte und sagte Florian durch die Gegensprechanlage, er solle mal bitte Leila holen gehen. Er kam mir im Treppenhaus entgegen. Ich drückte ihm den Autoschlüssel in die Hand. Sagte, Leila sei noch im Auto. Er fragte, was denn los sei. Ich sagte, das Baby kommt. Er machte große Augen. Ich ging zügig die Treppen nach oben. Wie bereits erwähnt: Dachgeschoss. Ich schnappte mir mein Telefon, setzte mich auf Toilette und rief meine Hebamme an. Ich schilderte ihr das Blut und was sonst so passiert ist und sie fragte total ruhig, ob ich denn in einer Blutlache stehen würde. Dies könnte ich verneinen. Daraufhin sagte sie, dass das nämlich der Fall sei, wenn es eine Plazenta-Ablösung gegeben hätte.

Sie fragte, ob ich sie jetzt brauche. Ich verneinte. Sie sagte, dass ich mich dann melden solle. Florian kam rein und ich berichtete ihm erst einmal, was passiert war, was gerade abgeht und wie es jetzt weiter geht. Ich wollte definitiv wieder in die Badewanne. Zunächst hatte ich Stuhlgang. Ich finde die Natur so faszinierend: ich hatte einfach so lange Stuhlgang bis ich „leer“ war.

 

Toilette und Badewanne

Die nächsten Stunden verbrachte ich entweder auf Toilette oder in der Badewanne. Ich war auch noch einmal in der Küche und habe mir einen grünen Drink gemacht. Gegen 22 Uhr wollte Leila dann mal ins Bettchen. Da ich jedoch seeeeehr regelmäßige Wehen hatte, war nicht daran zu denken, sie ins Bett zu bringen. Also durfte der Papa das übernehmen. Bisher war das immer mein Part. Was nun? Mama bekommt im Nachbarzimmer ein Baby? Nein, die soll mich mal ins Bett bringen! Leila weinte schließlich so sehr, dass sie kaum noch Luft bekam. Florian hatte sie heftig schluchzend auf dem Arm, ich saß gerade wieder auf Toilette und sagte, dass er sie in den Wagen packen und in den Schlaf schieben soll. Gesagt, getan. Das hat funktioniert. Florian legte sich dann auch hin…

Die zwei, drei Mal, die er oder sie an dem Abend ins Bad kamen, waren wie eine Unterbrechung meines Gebärvorgangs. Wir unterhielten uns über irgendetwas und ich hörte sofort auf die Wellen zu veratmen, als ob nichts anders wäre als sonst. Mein Fazit: Ich bin wohl wirklich eine, die besser alleine gebärt.

                                                                           in einer Wehenpause 🙂

Florian ging schlafen, war wohl mehr so ein Halbschlaf. Ich bekam im Nachbarzimmer ein Kind. Heidewitzka, hab ich gebrüllt. Irgendwie hatte ich gehofft, dass es beim zweiten Kind erstens schneller geht und zweitens nicht mehr so weh tut. Haha. Nee, nix da. Einen genauen Zeitplan kann ich euch nicht liefern. Der Fakt, dass nach Blasensprung die Wehen nach mindestens 90 Minuten und maximal 48 Stunden einsetzen, arbeitete im Nachhinein noch einmal mehr in mir: Ich bin noch Auto gefahren! Und höchstwahrscheinlich war der Blasensprung bereits, bevor ich mit Leila zum Eis essen gefahren bin!!! Sie sagte doch „Mama aua“. Vielleicht hatte ich da schon Blut an den Beinen??? Durch den heftigen Regen und das Donnern (ja, es war ein richtiges Sommergewitter) merkte ich nicht gleich, dass es zwischen meinen Beinen nass war oder gar die Fruchtblase geplatzt sein könnte. Oder aber: als ich den Ruck auf Toilette spürte, als ich sehr unfreundlich zu meinen Mann war??? Noch bevor wir überhaupt das Haus verließen?

 

Pressen oder nicht?

Nehmen wir einmal 23 Uhr: Ich lag in der Wanne. Links, rechts, hocken, knien, Vierfüßlerstand. Wehen. Alle zwei Minuten. Nein, alle 30 Sekunden. Wie auch immer. Es war anstrengend, einfach nur anstrengend. Zwischendurch kamen so Momente wie: „Juhu, wieder in der Badewanne, was anderes mag ich mir auch echt nicht vorstellen. Im Wasser bin ich so leicht, ich fühle mich sauber, das Baby schwimmt an die Oberfläche. Huiiii, toll und AHHHHHHH, och nö, ich hab keine Lust mehr…“ Das sollte noch eine Weile so weiter gehen… Kurz vor Mitternacht wusste ich: Es wird definitiv ein Sonntagskind. Bei Leila hatte es nicht geklappt. Diesmal sollte es klappen. In der Übergangsphase, also bevor die Pressphase, oder auch Austreibungsphase genannt, stattfindet, haben die meisten Frauen Gedanken wie: „Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Ich habe keine Lust mehr. Das ist mir alles viel…“ In dieser Phase befand ich mich schon recht lange! Wann kommt das Baby? Das dauert jetzt alles schon viel länger, als ich mir das gedacht hab und ich wälzte mich hin und her auf einmal hatte ich wieder das Bedürfnis zur Toilette zu gehen. Obwohl ich doch schon längst leer war. Das hatte ich im Übrigen erst vor kurzem gelesen: Das Gefühl, auf Toilette gehen zu müssen, läutet die Pressphase ein. So richtig begriffen, hatte ich es jedoch nicht. Ich saß also auf Toilette, es kam nichts, außer einem heftigen Druck. Meinen Unterleib zog es nach vorne und meinen Oberkörper nach hinten! Heftig! Ich entschied mich dann wieder in die Wanne zu gehen, statt „sinnlos“ auf dem Klo zu hängen, wobei hier doch eh nichts kommt. Wieder in der Wanne, dachte ich auf einmal: Was, wenn ich kurz vorm Ziel bin??? Vielleicht sind wir schon in der letzten Phase? Ha, mit dieser Vorstellung mache ich gerne weiter. Und wisst ihr was? Man muss nicht pressen! Man kann. Unterstützend. Die Wehen des letzten Abschnitts sind so immens, dass sie das Kind fast automatisch heraus drücken. Also am besten ist, die Frau hört auf ihre innere Stimme. So ein „JETZT PRESSEN“ ist eher kontraproduktiv, die werdende Mutter weiß es am besten selbst. Einen schönen Beitrag zum intuitiven Pressen findet ihr hier.

 

Jetzt aber!

In meiner alten Badewanne, wo ich Leila bekam, hatte ich so einen Griff an der Wand. Der hat mir diesmal gefehlt. Einfach irgendwo dran festhalten und so den Schmerz etwas überwinden. Also wenn ich irgendwann noch einmal schwanger sein sollte, dann beschäftige ich mich wirklich mal mit Hypnobirthing. Also von lustvoller, schmerzarmer oder gar freier Geburt habe ich noch nichts gemerkt. Soll aber wirklich funktionieren.

Ich lag auf der linken Seite. Wählte wieder die Position, die den Damm am besten schützt (Hocken, Knien, Vierfüßlerstand, Stehen gehören auch dazu, doch dafür ist eine Wanne wirklich nicht so ideal, am besten einen Geburtspool besorgen). Diesmal hab ich die Beine wirklich zusammen gelassen, der Kopf schob sich dann zwischen den Pobacken nach hinten heraus. Okay… Pressen? Nein, ich habe keine Lust. Ganz ehrlich, so oft wie bei Lees Geburt habe ich noch nie gedacht: „Or, nee, kein Bock.“ Ich kam mir schon fast etwas bockig (haha) vor. Es überrollte mich also eine Presswehe nach der anderen und ich hielt daran fest, nichts zu machen. Es waren bestimmt schon circa zehn riesige Wellen, die dafür sorgten, dass unser Baby bald raus kommt. Es brannte… Okay, dann ist es ja wirklich bald soweit! Noch ein bisschen durchhalten: AUAAAAAAA. Ehrlich, das Dachfenster, hatte ich mehrmals aufgemacht, weil es sooooo heiß war in der Wanne! Und dann doch immer wieder zu, weil ich ja wirklich das ganze Viertel zusammenschrie! Am Ende war es auch zu, denn ich wollte, dass Baby es warm hat, wenn es draußen ankommt. UIUIUIUIUIUI. Wie kann man diesen Schmerz vergessen???? Bald haben wir es geschafft, Baby, komm endlich raus! Drei, vier Mal habe ich mit geschoben. Ich dachte zwar, es zerreißt mich völlig und von mir bleibt nichts übrig, doch wie wir sehen, hab ich es überlebt. Der Kopf kam heraus! Er hat sich scheinbar ganz langsam durchgeschoben. Ich griff (diesmal sanft, um nicht wie bei Leila voll ins Gesicht zu greifen) nach dem Köpfchen und begab mich spontan in den Vierfüßlerstand. Da muss ich ja nicht mehr lange verharren, deshalb kann ich schon mal auf der Emaille knien. Es war wieder wie bei Leila: eine weitere Presswehe und unser Baby flutschte heraus.

 

Ein Junge

Ich kniete mich hin und nahm ihn hoch: JA, es ist ein kleiner Junge! So klein ist er gar nicht! Hui. Ich konnte ihn mir gerade so auf den Bauch legen, die Nabelschnur war nicht soooo lang. Mein Schreien war nun endlich erloschen. Ich winselte: „ Baby, Baby“! Das war für Florian das Zeichen, dass das Baby nun da war. Er kam aus dem Schlafzimmer rüber ins Bad, um seinen kleinen Sohnemann zu betrachten. Er nahm dann auch gleich mein Telefon, um ein paar Fotos zu machen und rief außerdem Andrea an und sagte ihr, sie könne jetzt kommen. Lee robbte ganz alleine hoch zur Brust (Nabelschnur reichte wirklich ganz knapp bis hier hin) und fing sofort an zu saugen. Er guckte mich so wach an! Das ist wirklich so magisch. Gerade erst geschlüpft und schon sooooo da! Möglich macht es übrigens das Adrenalin, was während der Geburt ausgeschüttet wird. Bei Leila hatte ich das unmittelbare Anlegen leider verpasst.

       

 

1.23 Uhr war der kleine Mann da und hat dann wirklich eine ganze Stunde getrunken (Kolostrum, die sehr reichhaltige Vormilch). Andrea kam nach 2 Uhr. Sehr angenehm wie andächtig sie herein geschwebt kam. Also wenn jemand aus Leipzig eine Hausgeburt plant, dann mit ihr! Sie ist klasse! Ja, euphorisch. Was sonst? Gerade rissen noch Felswände auf und ich dachte, ich verschwinde darin und dann ist da ein kleiner Mensch? In mir gewachsen? Wahnsinn! Fabelhaft! Ich bin sooooo stolz und soooo dankbar! Wirklich kaum zu fassen. Ich habe es wieder getan. Und Lee… Er ist so ruhig. So unglaublich ruhig. Also wenn einer gechillt ist, dann er… vom ersten Moment an. Also bereits im Bauch. Mega Typ!

 

Nachgeburt

Huiiii… Nachgeburt… Da war ja was… Nach einer Stunde kuscheln mit Lee (wir haben ihn mit Handtüchern bedeckt, weil er ja aus der Wanne rausguckte) stand da noch was an. Das hatte ich nicht so angenehm in Erinnerung. Wie jetzt? Nochmal pressen? L Wirklich… Naja, die Plazenta muss ja raus. Gelöst war sie schon. Das kann man testen, wenn man an der Nabelschnur zieht. Andrea hat das gemacht, ich nicht. Ich wollte auch nicht wirklich noch aktiv sein heute. Das war genug, ehrlich. Na gut. Sie ließ die Wanne ab und ich sollte mich hinhocken. Da wir Lee wie Leila auch nicht abnabeln wollten (Lotusgeburt), durfte Florian Lee halten. Er war quasi unmittelbar neben mir, als ich noch einmal pressen sollte. Es geht wirklich schnell und man muss nur eine Nachwehe nutzen, doch nochmal was da unten raus drücken… NA GUT. Flutsch, da war sie! Es ist wirklich nicht schlimm J. Andrea spülte die Plazenta ab, Florian war kurz irritiert, Andrea meinte, er kann ja weg gucken. Wir haben sie untersucht, ob sie komplett ist. Sah super aus. Ich glaube, ein Bild schadet nicht.

dieses Wunder!!!

Ich finde es faszinierend. Es ist ein großes Organ? Stück Fleisch? Wunder… . Aus mir. Die Blutgefäße darauf sind wie ein Baum geformt! Der Baum des Lebens. Die Farben sind wunderschön! Und es ist was ganz Natürliches. Es nährte mein Baby! Wow.

 

Nachwehen

Okay, langsam möchte ich zum Ende kommen… Die Nachwehen werden mit jedem weiteren Kind stärker. Die Rückbildung geht demzufolge auch schneller vonstatten. Der Körper erinnert sich. Wieder ein Wunder. Ich kann ohne Ende vom menschlichen Körper schwärmen.. Danke. Stillen beschleunigt die Rückbildung. Umkehrschluss: verstärkt die Nachwehen. AUAAAAAA! Die sind wirklich heftig! Auweia.

Die Gebärmutter zieht sich zusammen, wird wieder kleiner. In wenigen Tagen ist sie so klein wie vorher. Sie wächst in einer Schwangerschaft auf das 500fache ihrer Ausgangsgröße an!

Wir sind mit Plazenta (tropfsicher eingewickelt natürlich) und Lee ins Bett rüber gegangen. Leila schlief. Wir schlafen im Familienbett. Wir haben erst einmal gestaunt und beobachtet, wie das kleine in Handtücher gewickelte Bündel schlief. Oh man, so ein schönes Wesen! Andrea hat währenddessen das Bad aufgeräumt. Ich glaube es war gegen halb vier: Sie kam zum Messen und Wiegen rüber. Dabei wurde der kleine Mann wach. Sein Quietschen weckte seine Schwester. Die setzte sich im Bett auf und guckte rüber, krabbelte heran und sagte: „Baby!“ Das war noch so ein magischer Moment. Schwer zu beschreiben. Einfach schön!

Wie bei Leila war untenrum alles heil. Leichte Abschürfungen an den Schamlippen, das war’s. Nix gerissen…

Ich möchte gerne noch viele Beiträge schreiben, zur Geburt soll es das nun gewesen sein.

Es läuft super. Lee ist sehr pflegeleicht. Trinkt alle paar Stunden, schläft nachts ewig am Stück (9 Stunden war sein Rekord, er ist jetzt 9 Wochen alt). Er mag allerdings im wachen Zustand nicht ins Tragetuch. Anders als seine Schwester. Also musste ein Geschwisterwagen her.

 

In Liebe und Dankbarkeit

 

Eure Fanny

 

 

Gekräutert und gesalzen: Lotusgeburt