Hey, ihr Lieben,

heute ist ein besonderer Tag. Heute haben einige Menschen, die ich kenne, Geburtstag.

Besonders denke ich da immer an meine beste Freundin aus der Grundschule. Wir haben uns seit acht Jahren nicht mehr gesehen. Sie hat mittlerweile auch zwei Kinder. Letztes Jahr hatten wir Kontakt und ich hatte mir vorgenommen, ihr die Geschichte meiner letzten Jahre einmal etwas ausführlicher aufzuschreiben. Sie merkte an, dass mir das Mama-Sein wohl gut täte und ich sonst wohl eher so die Partymaus war (laut der Bilder usw.).

Weil ich ihr gerade wieder zum Geburtstag gratulieren wollte, habe ich ihre Emailadresse gesucht (habe immer noch kein Telefon und Facebook-Nachricht ist irgendwie noch zu unpersönlich) und beim Lesen meiner Nachricht vom letzten Jahr, wusste ich, dass ich ganz spontan noch einen Text für euch habe:

 

 

„Liebe Tina, 

 

seit fast zwei Wochen stand mein Plan, dir zu oder vor deinem Geburtstag noch zu schreiben. Da es in Deutschland nicht üblich ist, vorher zu gratulieren (in anderen Ländern wiederum schon), mache ich es nicht, aber ich wünsche Dir, unabhängig von diesem Tag (obwohl du gerne Geburtstag hast :-D), alles Liebe auf Erden: dass du deinen Weg gehst, dir treu bleibst und in bester Gesundheit mit deiner Familie das Leben genießen kannst!

 
Jedes Jahr am 30.September denke ich an dich. Auch wenn wir schon seit Jahrzehnten (das kann man wohl so sagen?!) keinen Kontakt mehr haben, bist du ein Mensch, den ich immer im Herzen trage. Ich vertrete auch die Auffassung, dass Zeit und Raum nicht existent sind und wahre Freundschaft für immer hält. Nun, wir wissen ab einem gewissen Punkt ja wirklich gar nichts mehr voneinander und können nur erahnen wer und was der andere ist beziehungsweise was er tut und wie er fühlt. Ich finde es auf jeden Fall super schön, dass du doppelt Mama bist und die kreative Schöngeistlerin, die ich immer kannte 🙂
 
Vor fast drei Monaten fragte ich dich nach deiner Emailadresse: heute ist der Tag an dem ich mir Zeit nehme (Was ist das? :-D). Ich freue mich, wenn du dich freust. Ich hoffe, ich kann dir ein süßes Lächeln ins Gesicht zaubern !
 
Ich gehe mal auf deinen letzten Text ein: Ich wusste bereits mit 14, dass ich einmal Familie haben möchte. In welchem Rahmen und wo und so, kein Plan. Aber das ist ja auch schwer zu planen ;). Mein weiteres Leben ab diesem Zeitpunkt war alles andere als eine Familie oder gar „junge“ Familie in Aussicht stellend. Ich kann eine lange Geschichte erzählen oder eben eine kurze, kommt am Ende das Selbe heraus. Ich bin ein glücklicher Mensch, der stets im Wandel lebt und alles so nimmt wie es kommt.
 
Seit ich mit 14 meinen ersten Freund hatte, waren meine Partnerschaften eher nicht so langlebig, im Schnitt so 9/10 Monate und immer wieder eine „schwere Geburt“. Ich kam mir meist wie der Psychotherapeut und Überlebenstrainer vor, habe aber immer mindestens genau so viel über mich gelernt wie ich weiter geben konnte. Als ich nach der Schule nach Australien ging… Das hat so einiges verändert. Unter anderem bin ich dort fast gestorben. Ich habe dir sicher davon erzählt, als wir 2009 gemeinsam in München waren beziehungsweise uns getroffen haben. Also dann im Okt. 2009 ging mein Studium los und mir ging es nicht gut. Ich habe 3 Monate lang jeden Tag geweint, weil ich wieder „hier“ sein musste. Ich musste ja gar nicht, war ja meine Entscheidung, Es tat aber verdammt weh. Dann ist einer meiner besten Freunde durch einen Gewaltakt zu einem Wachkomapatient bzw. – später korrigiert – einem Locked In Patient geworden. Ein viertel Jahr später haben sich meine Mama und mein Stiefvater nach 15 Jahren getrennt. Die Details lass ich jetzt aus. Fakt ist, das hat mich alles zutiefst erschüttert und mein komplettes Weltbild so heftig gerüttelt, dass ich es neu aufbauen musste. Da ich bis dato noch ein Mensch der Extreme war, kam Meditation noch nicht für mich in Frage und ich war lieber wild auf Party. Letzten Endes aber nie um etwas zu verdrängen (wie der Großteil dort), sondern um „zu reisen“, neue Impressionen zu sammeln, Kraft zu tanken, Menschen zu begegnen, v.a. auch mit ihren persönlichen Problemen. Mein Studium lief so nebenbei. Mein „richtiges“ Studium war neben der Uni. Ich wusste, es kommt der Tag, da habe ich genug von der Welt wo die meisten wenn überhaupt an der Oberfläche kratzen… Ich hab das Tanzen genossen und auch da mein eigenes Ding gemacht. Ich bin zwar ein Menschenfreund, aber sehr einzelgängerisch. 4 Augen Gespräche sind großartig, alles darüber hinaus macht mir zu schaffen bzw. finde ich nicht so bereichernd. 
 
Vor zwei Jahren war es soweit. Ich hab mich von meiner letzten …mir fällt kein passender Ausdruck ein… „komplizierten“ (allrounder –  geht immer) Beziehung gelöst und meinen Fokus auf meine Masterarbeit gelegt. Ich wusste danach bin ich weg. Mein Working Holiday Visum für Kanada war sicher.
 
Nun kam wieder mal alles anders. Und auf meiner Liste stand: in Kanada noch lebende Indianer besuchen und gerne mit denen in der Wildnis leben. Falls ich keine finde, lebe ich auch alleine in der Wildnis. Vorübergehend. Ansonsten noch keinen Plan. Abschluss und Lebensfreude in der Tasche. Na los. Und dann… traf ich in der Masterarbeit-Zeit Florian. Ich weiß nicht wie oft ich betont habe, dass ich ins Ausland gehe und das letzte, was ich haben möchte, einen Mann an meiner Seite ist.
 
Ich wäre nicht Fanny, wenn es irgendwie abenteuerlich zugeht: no risk no fanny (sagte meine beste freundin mal)…
 
Florian hat sich so zurück gehalten und mir immer das Gefühl von Freiheit vermittelt, dass ich dann doch verliebt war… Und da er schon Papa war (zu dem Zeitpunkt war sein Sohn 6) und ich die beiden zusammen erlebte… musste ich eines Tages sagen: „Du bist ein ganz toller Vater!“ (Ich hatte ja die letzten 4,5 jahre in Halle mit meinem Papa gelebt, war wirklich eine schöne Zeit). Ein paar Wochen später kam Pablos (so heißt der kleine) Mama abends noch einmal vorbei, weil sie was klären mussten, und da sah ich wie er im Bett aufsprang und auf sie zu rannte und in einem zauberhaften Ton „Mama“ rief. Da ging mir das Herz auf und ich dachte mir: „das muss so schön sein“. Wohlgemerkt… mit meinem Exfreund war das Thema Kinder immer präsent, obwohl das NIEMALS hätte passieren dürfen. NICHT mit einem so gebrochenen Mann, das wäre katastrophal gewesen. 
 
Ich war auf jeden Fall nicht lange nach Abgabe der Masterarbeit schwanger und der Kanada-Plan hat sich ganz schnell aufgelöst. Florian war glücklich, dass ich blieb. Es war alles nicht so einfach zunächst. Sich kennen lernen, zusammen bleiben wollen, ein Kind bekommen. Geplant oder stabile Basis ist etwas anderes. Doch das Leben lässt sich in meinen Augen nicht planen. Meine erste Reaktion als wir es vermuteten war „Ja, wer, wenn nicht du, wäre der Vater meiner Kinder!“ 
 
Wir leben seit Februar zusammen und sind schon konflikterprobt. Momentan kann hier keiner rütteln. Es fühlt sich jeden Tag aufs Neue richtig an. Er ist ein Engel. Ein ganz feiner Mensch.
 
Und Leila hat keinen anderen Menschen aus mir gemacht, sie hat mir geholfen, schwere Themen zu überwinden und meine Weichheit leben zu können. Diese habe ich in unserer grausamen Welt immer gut versteckt. Sie ist die  Antwort auf meine Frage, die ich mir nach der Masterarbeit gestellt habe: „Wem gebe ich mein Wissen jetzt weiter?“ … 🙂
 
Und über die Liebe lässt sich so viel und doch nichts sagen… Ich glaube, du weißt, was ich meine…. Sie beim Schlafen zu beobachten… Boar… Hui… uff… ahhhh…… <3
 
 
…………………
 
So und ohne etwas zu wissen: ich kann mir durchaus vorstellen, dass du mit deinem Freund schon laaaaaange zusammen bist. Vielleicht ist es auch der gleiche wie damals? 😀 
 
Ich freue mich von Dir zu lesen und jetzt feier dich schön 😉 und morgen und übermorgen und und und… Genieße!
 
 
Deine Fanny“
Ich freue mich auf Kommentare und Fragen.
In Liebe
Euer Sonntagskind