So, jetzt schläft der kleine Mann hier neben mir. Ich sitze auf dem Bett, Lee träumt vor sich hin. Auf meinen Rücken scheint die Sonne. So ein Dachfenster ist klasse, da kann ich sogar im Winter dann auf dem Bett liegen und Sonne haschen, wenn sie scheint. Winter? Wieso ich schon an Winter denke? Naja… Also erst einmal kommt der Herbst. Den mag ich auch. Da bin ich geboren. Der Übergang ist nur nicht so mein Fall. Dieses: Sommer ist vorbei, Herbst fängt an, zu warm mit Jacke, zu kalt ohne, Matschhose ja, nein, Gummistiefel oder doch Sandalen?! Gute Laune oder doch nicht? Abschied nehmen oder willkommen heißen oder eben beides? Inneres Hin und Her und dazu noch ein völlig neues Leben: jetzt so mit zwei kleinen Kindern.

Zu „Pilates mit Baby“ habe ich mich schon Anfang Juli angemeldet. Das war eine sehr gute Entscheidung. Mit Leila habe ich damals genau gar keinen einzigen Kurs besucht. Vor allem, weil meine Neurodermitis so böse war, dass Sport/Schwitzen oder Babyschwimmen/Chlorwasser mir den Rest gegeben hätte… Jetzt ist alles anders. Auch mein Gesamtzustand ist bedeutend besser. Körperlich sowieso und mental auch. Meine Seele ist allerdings immer noch irgendwie gefangen und das äußert sich in ziemlich regelmäßigen düsteren Momenten. Depressiv bin ich nicht. Bisschen „lustlos“ hin und wieder. Also ich liege einfach gerne im Bett und schlafe bei jeder Gelegenheit. Klar, nachts ist ja auch kein langes Schlafen am Stück möglich und Vollzeit-Mama-Sein ist intensiv und Kräfte zehrend, dennoch: Wenn ich mich von außen betrachte, dann gewinne ich den Eindruck, ich würde vor etwas weglaufen und zwar dem guten Leben. Und jetzt wo ich normalerweise wohl gleich wieder mit geschlafen hätte, nutze ich die Zeit, um kreativ zu sein oder einfach meine Gedanken niederzuschreiben. Das mache ich übrigens dauerhaft in jeder möglichen Situation. Ich schreibe in meinem Kopf Beiträge zu den verschiedensten Themen oder mache imaginäre Videos. Ich rede mit DIR. Das hilft mir. In den doch häufigen Momenten der Einsamkeit. So ist das Mutti-Leben nämlich in der heutigen Welt. Oftmals ganz schön einsam. Ich lebe nach wie vor ohne Telefon (5Wochen?!) und hatte schon öfter den Gedanken, dass ich vielleicht auch gar keins mehr haben möchte, also zumindest kein Smartphone. Das widerspricht allerdings meinem Wunsch, meine Erfahrungen und Gedanken immer zu teilen. Es ist möglich, ohne Smartphone, doch nicht so komfortabel. Nun ja, wir werden sehen.

Juli 2014 – kurz vorm Master

Also dieser Pilates-Kurs wird nicht der letzte Kurs sein. Fürs Frühjahr habe ich schon das Babyschwimmen und zum Ausgleich für damals Versäumtes das Kleinkindschwimmen mit Leila angemeldet. Yoga reizt mich auch noch und… Lieber nicht zu viel auf einmal. Ich möchte nicht gleich wieder in das andere Extrem fallen. Das ist mein Naturell, auf Dauer sehr anstrengend. Für meine Bettlägerigkeit habe ich auch eine gute Erklärung: Das sogenannte 4. Trimester. Die Schwangerschaft sind drei Trimester. Die ersten drei Lebensmonate bezeichnen das vierte. 4. Trimester

Das Rauskommen und Sport machen tut mir auf jeden Fall gut. Lee hat es auch gefallen. Die ersten Begegnungen mit einer ganzen Gruppe von Babies. Es ist wirklich etwas ganz anderes, als abends auf der Matte Youtube Videos zum Sport machen zu nutzen. Funktioniert auch, keine Frage, doch so ein bisschen Geselligkeit möchte ich jetzt auch genießen.

Lee war kurz wach und ich habe ihn auf dem Asia-Töpfchen ( HIER )abgehalten. Das Windelfrei-Programm mache ich mit ihm genauso von Geburt an, allerdings nicht so akribisch wie bei Leila damals. Das bekomme ich gar nicht mehr hin. Wenn ich mit ihm tagsüber alleine zu Hause bin, klappt es ganz gut. Leila hat in ihrem Leben vielleicht zehn Mal in die Windel gekackt. Lee toppt das jetzt schon. Weil ich es einfach anders handhabe als damals. Außerdem kann bei kleinen Jungs nichts in die sensiblen Öffnungen laufen wie bei kleinen Mädels. Da geht das sauber machen besser. Interessanter Artikel zum Trocken-Werden von Windelfrei-Kids hier: interessant

Noch einmal zu meiner Seele: Ich habe August 2014 meine Masterarbeit abgegeben, meine universitäre Laufbahn quasi beendet und dann wollte ich mit meinem bereits genehmigten Working Holiday Visum nach Kanada gehen und von dort aus… Wer weiß. Ich habe mir nach meinem Australien-Trip 2009 geschworen, dass ich mir die Welt angucke. Ich bin nur wegen meines Studienplatzes (Eignungsprüfung bestanden) zurück gekommen und während den Semesterferien jahrelang kaum gereist, weil ich Angst hatte, ich würde das Studium dann abbrechen und irgendwo unterwegs bleiben… Hm…

Ich wollte zu Indianern und irgendwo im Wald leben. Meine Gedanken darüber, wie ich mein Leben finanziere, waren irgendwo zwischen Klingelputzen und meine Dienste als Coach oder Lebensberater anbieten (hat nichts mit dem Studium zu tun, sondern ist meine Berufung: Wenn jemand nicht weiter weiß, liebe ich es, mit demjenigen gemeinsam seinen persönlichen Weg zu entdecken oder zumindest ein bisschen zu leuchten, wenn es gerade zu dunkel ist.) oder einfach alle möglichen Jobs machen, die Geld bringen und Freude machen. Was ich wusste: Ich möchte Menschen begegnen. So viel wie möglich entdecken. Außerdem stellte ich mir die Frage, in welcher Form ich mein Wissen und meine Erfahrungen weiter gebe. Fünf Jahre Studium sind das Eine… Was das Leben einem in der gleichen Zeit lehrt, ist umso vieles mehr. Zumindest in meinem Fall. Dazu Stück für Stück mehr.

So jetzt stell Dir das vor: Im nächsten Monat war ich schwanger! Wow! Es kommt immer anders als man denkt. Ich habe mich sofort gefreut, habe diese Botschaft vom Universum als riesiges Geschenk empfunden und eben als die Antwort auf meine oben gestellte Frage. Ein kleines Menschlein wächst in mir heran? Und mit dem darf ich dann die Welt entdecken?! Genau, die Welt im Großen wie im Kleinen. Das Leben aus der Perspektive eines heranwachsenden Menschleins zu betrachten, ist fabelhaft. So bunt und einfach eindrucksvoll. Und meine Reisepläne? Nun ja. So richtig weiß ich es nicht. Irgendwie ändert sich alles. „Weg“ hier möchte ich gerne noch… Ins Warme. Meine Freunde zurück lassen? Nicht so gerne. Mit allen zusammen in einer Gemeinschaft leben? Oh, das wäre doch klasse!

 

Wie stehst du zum Auswandern? In Gemeinschaft leben? Pläne umwerfen und das Leben einfach geschehen lassen? Alles zu nehmen wie es kommt und dann auch immer dankbar zu sein? Auch für alle negativen Erfahrungen?

 

Lass mir gerne einen Kommentar da. Ich freue mich über Anregungen und Austausch.

 

Dein Sonntagskind